Chronik
Vereinschronik - 1867 bis 1958
Männerchor Widnau - Vergangenheit und Gegenwart
Stationen der Vereinsgeschichte nach den wesentlichen Ereignissen:
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1867
Gründung des Vereins und Festlegung der Vereinsstatuten.
Im 19. Jahrhundert, als der volkstümliche Männergesang mächtig aufblühte, wurde auch in unserem Dorf die Gründung eines Gesangsvereines in die Wege geleitet. Als im Herbst 1886 in St.Gallen der Kantonalsängerverband gegründet wurde, schlossen sich im darauffolgendem Jahr 1867 eine Schar Männer zum Männerchor Widnau zusammen. Damit nahm das gesangliche Leben im Dorf einen gewaltigen Aufschwung, bis im Jahre 1908 vereinsinterne Schwierigkeiten den Chor bedrohten. Dies führte soweit, dass sich aus dem bisherigen starken Chor zwei Vereine bildeten. Neben dem eigentlichen Männerchor entstand der Männerchor "Frohsinn". Beide Vereine erholten sich relativ rasch von dieser Krise und brachten es bald auf beachtliche Höhe, wirkten doch, wenn man die damalige Grösse des Dorfes bedenkt, Widnau zählt damals rund 2500 Einwohner, im Männerchor 50, im "Frohsinn" 40 Mitglieder mit. Der erste Weltkrieg brachte aus begreiflichen Gründen einen rapiden Rückgang in der Tätigkeit beider Vereine. So wurde in dieser Zeit der Not nach langen Verhandlungen eine Wiedervereinigung beider Chöre in die Wege geleitet, nachdem die Proben gezwungenermassen eingestellt werden mussten. Protokolle aus dieser Zeit sind leider keine mehr vorhanden, erst die Nachkriegszeit wurde wieder protokollisiert, und zwar ergiebig:
1926 bis 1958
November 1926 - Zwei Rundgänge durchs Dorf mit Präsident Engelbert Köppel und Aktuar Josef Köppel, Sonnenwirt, ergeben einen Zuwachs von 15 Mitgliedern. - Wenn das heute so einfach wäre!
Strenge Sitten herrschten in den Zeiten zwischen den zwei Weltkriegen. Wer eine Probe ohne statutarischen Grund nicht besuchte, wurde mit 30 Rappen gebüsst.
Bei zu spätem Erscheinen verlangte man 20 Rappen und wer 3 Proben schwänzte, wurde aus dem Verein ausgeschlossen.
Von 1925 bis 1950 schaffte sich der Widnauer Männerchor einen guten Namen mit Theaterstücken, Operetten und Singspielen, die im Schäflisaal aufgeführt wurden. Nebst vereinseigenen Regisseuren wird der Lustenauer Edy Hämmerle oft beigezogen. Von der älteren Garde erinnern sich noch einige an die Stücke wie:
Der Loder, oder Resl vom Lindhammerhof (1923 / 38)
Solang mein Mütterlein noch lebt (1927 / 47)
Der Totengräber von St. Joust (1930)
Die Gebieterin von St. Tropez (1932)
Marianne, ein Weib aus dem Volke (1933)
Kabale und Liebe(1934)
1932 erfolgte der Austritt aus dem kantonalen Sängerverband wegen der schlechten Wirtschaftslage. Böse Zungen behaupten, es sei wegen der schlechten Bewertung am Sängerfest in Wil gewesen.
1935 schlägt der Präsident an der Hauptversammlung die Alarmtrommel für besseren Probenbesuch, was auch sehr, sehr notwendig war. Der sprechende sah manchen, der dabei den Herzklocker bekam und dachte: Herr, ich danke dir, dass ich nicht bin, wie dieser neben mir.
1939 - Mobilmachung. Die überlebenden der Mobilmachung kamen nach dreimonatiger Pause wieder einmal zusammen, um das Vereinswrack zu besichtigen. Dabei wurde abgemacht das Fass Bier, gestiftet vom ehemaligen Sängerkameraden Clemens Büchel, bei der nächsten Zusammenkunft zu leeren, bevor es noch der Hitler hole.
1943 - Hauptversammlung. Engelbert Köppel spendete zu seinem 40 Aktivjahr ein Fass Bier, das wir bei ihm in der Habsburg leertranken. Augustines Bert tat sich so intensiv hinter Hopfen und Malz her, dass er in höheren Tönen zu singen begann. Ich wollte damit sagen höher, als dass sich der 2. Tenor erlauben könnte. Und dasletzte Bier das er trank, von dem er behauptete, es wäre das beste. Es ist denn auch wirklich das letzte gewesen. Es war nämlich das Tropfbier, schrieb Aktuar Karl Sieber.
1948 - 9. Juni . Der herrliche, heisse Sommerabend lockt uns zur Probe ins Freie. August Blank sen. feiert heute Geburtstag. Zu diesem Anlass singt ihm der Verein ein Ständchen. Kaum waren unsere Weisen verklungen, folgte ein währschafter Trunk, der uns derart mundete, dass das Bedürfnis immer grösser wurde, bis schliesslich der ganze Verein in einem Schwank war, inklusive Dirigent. Wie es sich nachträglich herausstellte, hatte es sogar Sänger, die sich des Heimweges nicht mehr erinnern konnten.
1951 - Quartalsversammlung. Ein Sänger beklagt sich über die Mahnung zu eifrigerem Probenbesuch. Dabei hat er nie gefehlt. Seine Frau hat die Aufforderung des Präsidenten an die Mitglieder erwischt und gelesen. Der Vorsitzende übernimmt den Fehler und erklärt, dass in der Eile einige Versehen unterlaufen sind.
1958 - 12. September. Dirigent Walter Hobi stirbt an einem Schlaganfall im Schulhaus Heerbrugg. Die vier von ihm geleiteten Chöre singen ihm das Grablied.